Arbeitergesangverein " Waldeslust Vernawahlshausen" 1926


Untere Reihe von links: Gustaf Brauns, Karl Lange, Dietrich Fricke, Wilhelm Nolte sen., -?-, Dirigent Thieman, Theodor Pfeilsticker, -? Teuteberg(Spinnradmacher), Ernst Niebur, Eduard Jäger, Ernst Mahlmann,  Engehardt Mönkemeier.
2. Reihe von links: Karl Nolte, Wilhelm Steinhaus, Karl Lange jun., Eduard --(Rodlofs), Albert Plessmann, Wilhelm Fricke, Wilhelm Henne( Hülleken), Eduard Henne(Eckes), Rudolf Fricke, Theodor Wissmann, Adolf Elges, Wilhelm Nolte
3. Reihe von links: August Fricke(Freisens), August Henne, August Herbold, Fritz Niebur(Teufel), Karl Burghardt, Luois Stübener, Hermann Burghardt(Bergerholz), August Spormann, Willi Don, Heinrich Teuteberg, Ferdinand Plessmann, Heinrich Schlieper
Obere Reihe von links: Theodor Lange, Karl Pfeilsticker ,  Karl Elges, -- Hellwich, Theodor Mönkemeier, Heinrich Helling, Eduardt Nolte, Martin Fricke(Trift), Karl Stübener, Ernst Teuteberg


Zur Geschichte der Arbeitergesangvereine

Ihr Ursprung führt zurück in das Kaiserreich Wilhelm II. Denn in den Städten - wie in Göttingen, Uslar oder Kassel - kam es bereits am Ende des letzten Jahrhunderts zu zahlreichen Gründungen von Arbeitergesangvereinen. In ihnen verband sich der Wunsch einer eigenden Arbeiterkultur und -geselligkeit mit dem wenigstens für einige Stunden den schlechten und bedrückenden Wohn- und Arbeitsverhältnissen zu entkommen.
Auf dem Lande dagegen konnte diese Arbeiterbewegung erst in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Fuß fassen: so auch in Vernawahlshausen. Hier hatten sich auf Initiative einiger Mitglieder des Arbeitervereines am 23. Juli 1922 in der Gastwirtschaft Henne 25 Arbeiter zusammen gefunden, um einen Arbeitergesangverein zu gründen.

"Ja das war ein Skandal."


Offenbar und verständlich, hat die Gründung des Vereins für einige Aufregung im Ort gesorgt. "Ja das war ein Skandal" kommentiert ein Vernawahlshäuser, der die Gründung miterlebt hat. Ein anderer Zeitgenosse meinte: "Durch die Politik hatten wir hier zwei Gesangvereine. Einige vom Männergesangverein sind wegen der Politik in den Arbeitergesangverein übergetreten. Das war eine Zersplitterung, die taugt nicht viel. Schöne Stimmen gingen dabei verloren, das hat mich geärgert."
Diese Verärgerung ist erklärlich. Gerade die ländlichen Gesangvereine verstanden sich über alle Ränge, Meinungsverschiedenheiten und soziale Schichten hinweg als Ort der Gemeinschaft und des Zusammenhalts der Dorfbewohner. Dieses Anliegen drückt sich auch in ihren Namen aus wie "Eintracht", "Concordia" oder "Harmonie".
 Dennoch lag die Gründung eines Arbeitergesangvereins Anfang der zwanziger Jahre in der Luft. Der soziale und politische Wandel im Reich nach dem 1. Weltkrieg hat zu dieser Zeit auch auf den Dörfern das politische Klima verändert.
Die "kleinen Leute", den Kindern der ehemaligen Tagelöhnern, Ziegenbauern und kleinen Handwerker, die nun auch zur "Maloche" in die nahegelegenen Fabriken gingen. Ihr neues Selbstbewusstsein drückte sich unter anderem auch in der Gründung des Arbeitergesangvereines aus.
Die nationalsozialistische Machtergreifung im Januar 1933 bedeutete das Ende des Vernawahlshäuser Arbeitergesangvereins "Waldeslust".  
Um einer zwangsweisen Auflösung zu vor zukommen, löste sich der Arbeitergesangverein 1933 auf.
Einige der Sänger, des Arbeitergesangvereines traten darauf hin dem Männergesangverein  "Eintracht" bei.

Erst mit der Neugründung des MGV "Eintracht" 1948, kamen  alle Vernawahlshäuser Sänger wieder zusammen.

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